9. November und hier steht nichts. Warum?

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Es ist schwer, über einen Tag zu schreiben, dem weltgeschichtlich eine so große Bedeutung zukommt. Wo soll man anfangen? 1799 – 18. Brumaire VIII – Napoleon beendet, mit Hilfe seines Bruders, de facto die französische Revolution und wird Diktator? Die Folgen für Europa sind bekannt. Nur ein Beispiel, dass der 9. November nicht nur in Deutschland von Bedeutung ist.

Schlaglichter der deutschen Geschichte

Knapp 50 Jahre später – 1848 – Robert Blum wird hingerichtet. Er ist der erste demokratisch gewählte Abgeordnete, der von einem Hinrichtungskommando standrechtlich erschossen wurde, trotz Immunität und ohne Verfahren. Sein Verbrechen? Er nahm an der Verteidigung des revolutionären Wien teil. Es war der Beginn vom Ende des Traums von einem demokratischen deutschen Nationalstaat…

Nochmal 70 Jahre vergingen bis 1918 in der Novemberrevolution Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. verkündet und Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften betraut. Daneben rufen Philipp Scheidemann die „Deutsche Republik“ und Karl Liebknecht die „Deutsche Räterepublik“ aus. Dieser Tag führt letztendlich zum endgültigen Sturz der Monarchie und zur ersten demokratischen Republik in Deutschland, die länger bestehen wird.

Die Qual der Geschichte deutet sich aber bereits 5 Jahre danach an – mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch. Und nach weiteren 2 Jahren wird bereits die SS gegründet. Ein trauriges Kapitel beginnt seinen Lauf…

Nachdem die Nazis endgültig die Macht übernahmen, entfernen sie bereits 1936 das Denkmal des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy vor dem Leipziger Gewandhaus. Ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen wird…

An diesem Tag im Jahr 1938 beginnt mit den Novemberpogromen die bisher finsterste Zeit Deutschlands. Ereignisse unfassbarer Dimension außerhalb jedes Vorstellungsvermögens nehmen ihren Lauf. Eine unbegreifliche, kaum nachvollziehbare Menschenverachtung eines brutalen Regimes zeigt sich in offener Gewalt, die in Konzentrationslagern und Krieg kulminiert. Übrig bleibt eine generationenübergreifende Verantwortung, derer wir bis heute nicht vollends gerecht wurden, eine Aufarbeitung, die zu Wünschen übrig lässt.

1967 dann machen Studenten erstmals laut auf die unzureichende Aufarbeitung der NS-Zeit aufmerksam: „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Das bei der Amtseinführung des neuen Rektors der Uni Hamburg ausgerollte Plakat sollte der Slogan der 68er-Bewegung werden.

Ihr teilweises Scheitern führte zur Radikalisierung einiger ihrer Vertreter und zur RAF. 1974 stirbt Holger Meins als erster RAF-Häftling in der JVA Wittlich nach einem Hungerstrike. Zu seiner Beerdigung erscheinen über 5.000 Menschen. Unter ihnen Rudi Dutschke, der zum Kampf gegen unmenschliche Haftbedingungen aufrief. RAF-Anwalt Otto Schily sprach von einer „Hinrichtung auf Raten“.

Vor 25 Jahren kann eine Folge des 2. Weltkrieges beseitigt werden: Die Mauer, die die entstandenen deutschen Staaten trennt, fällt. Ein Höhepunkt der DDR-Bürgerbewegung, eine historische Chance. Leider wird das Versprechen, die Möglichkeit für ein friedlich zusammenwachsendes Europa zu nutzen, nicht eingelöst.

Statt dessen stürzt 1993 die 1566 erbaute „Stari Most“ (Alte Brücke) in Mostar (Bosnien-Herzegowina) auf Grund der kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Juguslawien ein.

2001: Völlig unbeeindruckt vom geschichtsträchtigen Datum beschließt der deutsche Bundestag in Folge von 9/11 das Anti-Terror-Gesetz – mit all seinen Einschränkungen.

Den nunmehrigen Höhepunkt stellt 2007 das umstrittene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung dar. Es konnte bisher nicht wie geplant umgesetzt werden, da das Bundesverfassungsgericht es am 2.3.2010 für verfassungswidrig und nichtig erklärte. Zudem erklärte der EuGH am 8.4.2014 die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung für ungültig, da sie mit der Grundrechtecharta der EU nicht vereinbar sei.

Was bleibt ist ein fader Nachgeschmack ob der Unsensibilität der Politik. Noch immer wird versucht – und sei es durch die Hintertür – eine Totalüberwachung wie in alten, längst überwunden geglaubten Zeiten einzuführen…

Vieles wurde von Vielen zum 9. November schon geschrieben – Bemerkenswertes und auch Belangloses. Was sollte man da noch sagen? Deshalb nur dieses Streiflicht durch die Geschichte. Unvollständig, wie es ist, sollte es dennoch zum Nachdenken über die Vergangenheit und zum Überdenken der Gegenwart anregen.

Dazu zählt vor allem der Verantwortung gerecht zu werden, die uns die Geschichte mitgegeben hat. Die Bewahrung der Würde des Lebens, der Kampf gegen jedwede Überwachung, Unterdrückung, menschengemachte Abhängigkeiten und Zwänge, das Eintreten für informationelle Selbstbestimmung des Menschen, die nachhaltige Weiterentwicklung der Gesellschaft hin zu Transparenz und Beteiligung unter Nutzung der technischen Entwicklungen. Wir haben nicht nur die Verantwortung, die wir geerbt haben, sondern auch eine Verantwortung zukünftiger Generationen gegenüber. Wir dürfen weder eine Welt orwellschen Ausmaßes noch einen Müllhaufen und klimatischen Kollaps unseren Nachfahren hinterlassen. Lasst uns konstruktiv und besonnen unsere piratischen Ideale weiterentwickeln.


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